Hast Du auch Angst vorm Niesen….?

Aktuellen Schätzungen zufolge, leidet jeder 8. Mensch in Deutschland unter Beckenbodenbeschwerden. Aber kaum einer spricht darüber.
Das muss sich ändern!
Beschwerden mit dem Beckenboden können sehr vielfältig sein. Von dem bekannten „Tröpfchen“ in den unpassendsten Momenten, über Senkungsbeschwerden, aber auch Rückenschmerzen, Stauungsproblematiken in den Beinen bis hin zu starken Inkontinenzproblemen in Bezug auf Urin oder auch Stuhl, können sich ganz unterschiedliche Beschwerden zeigen.
Mitunter bringt man seine Probleme gar nicht gleich mit einer unzureichenden Funktionalität seines Beckenbodens in Verbindung.
Eins vorweg – auch Männer sind nicht selten betroffen!
Da ja Männer in der Regel keine Kinder geboren haben, stellt sich nun die Frage: Woher kommen all diese Probleme?
Die meisten Menschen verbinden dies in allererster Linie mit einer Schwächung in der Muskulatur. Das kann, muss aber nicht die Ursache sein. Vor allem nicht als primärer Auslöser. Um das zu verstehen, müssen wir uns etwas mit dem anatomischen Aufbau und den Funktionen unseres Körpers beschäftigen.
Fangen wir mit den Füßen an.

Wenn man sich den Aufbau unserer Füße anschaut, sieht man eine bestimmte Konstruktion von Gewölben. Diese Architektur erfüllt verschiedene Aufgaben. Zum einen ermöglichen sie uns ein müheloses Gehen auf den verschiedensten Untergründen, die Übertragung der Kraft nach oben wird ebenfalls maßgeblich davon beeinflusst. Aber wir brauchen gesunde und voll funktionstüchtige Füße auch für unsere Aufrichtung und als Stoßdämpfer.
Ist es zu Veränderungen an den Füßen gekommen – durch Fehlbelastung (z. B. ungeeignetes Schuhwerk), Erkrankungen oder auch hormonelle Umstellungen, welche zu einer Auflockerung des Gewebes und einen Muskelabbau führen können, hat das immer auch Auswirkungen nach oben in Richtung Becken und Wirbelsäule. Vor allem eine gute Aufrichtung in der Wirbelsäule und Dämpfung durch intakte Fußgewölbe sind wichtige Voraussetzungen, dass unser Beckenboden langfristig seine Aufgaben erfüllen kann.
Stöße, die bei jedem Gehen – insbesondere auf harten Untergründen – auftreten, übertragen sich nach oben und überlasten die ohnehin schon stark beanspruchte Muskulatur. Außerdem kommt es beim Absinken der Gewölbe nach innen zu einer Veränderung in den Beinachsen. X-Beine sind die Folge. Durch diese Fehlstellung in den Knien gibt es auch eine Änderung der Stellung der Hüftgelenke, die ja, wie jeder ahnt, eng mit unserem Becken verbunden sind.
Schon geringe Veränderungen im Zusammenspiel der Knochen im Becken, haben Auswirkungen auf die damit verbundene Muskulatur.
Aber dazu später.
Unser Bauch und die Organe
Wir begeben uns jetzt eine Etage darüber in den Bauchraum. Da ist viel los heutzutage. Organentfernungen, z. B. eine erkrankungsbedingte Entfernung der Gebärmutter, haben zur Folge, dass ein Raum im sonst so eng gepackten Bauchraum entstanden ist, den in kurzer Zeit die Nachbarorgane ausfüllen. So senkt sich der Darm oder die Blase verlagert sich.
Der Darm selbst ist oft arg gebeutelt und nimmt uns das (oft erst einmal unbemerkt) übel. Durch Fehlernährung, unnatürliche Zusatzstoffe in der Nahrung, schlechtes Kauen oder durch Medikamente verändert sich das Mikrobiom und in der Folge die Schleimhaut. Es kommt zu Fäulnis und entzündlichen Prozessen. Ein Teufelskreis beginnt! Die Verdauung wird schlechter, unregelmäßig, Verstopfung und Durchfälle wechseln sich ab und häufig klagen die Betroffenen über Blähungen und Unverträglichkeiten.
Durch die Erhöhung des Druckes im Bauchraum leidet zunehmend unsere Beckenbodenmuskulatur.
Und dann haben wir einen Faktor, der ganz entscheidend heute für eine Überlastung des Beckenbodens verantwortlich ist.

Unser Lebensstil
Wir sitzen – lange, still und in schlechter Haltung. Schon allein durch das Sitzen wird die Muskulatur nicht mehr ausreichend gefordert und erschlafft. Dazu kommt, dass wir meist nicht aufrecht sitzen und unseren Körper noch in schicke, aber oftmals nicht die bequemste Kleidung gepresst haben.
Und das ist wörtlich zu nehmen! Denn schon der dauernde Druck eines festen Gürtels oder Hosenbundes erhöht die Druckverhältnisse im Bauchraum.
Diese erhöhten Druckverhältnisse wirken sich in 2 Richtungen aus. Zum einen nach unten ins Becken hinein, aber auch nach oben.
Und damit sind wir bei einer weiteren Ursache für Beschwerden im Beckenbodenbereich – unser Zwerchfell. Durch unser vieles Sitzen, Stress, schlechte Körperhaltung, schlechte Verdauung und Bewegungsmangel im Allgemeinen kommt unser wichtigster Atemmuskel in Bedrängnis.
Das Zwerchfell senkt sich normalerweise bei jeder Einatmung ab und entspannt sich in der Ausatmung wieder nach oben. Dadurch kommt es zum Beispiel zu einem Ansaugeffekt der Lymphe und des venösen Blutes, die Organe werden auf natürliche Weise bewegt und die Verdauung stimuliert. Dieses ständige Auf und Ab in unserem Bauchraum ist essentiell für unsere Gesundheit. Neben der absolut wichtigen Bewegung der Organe und dem Anregen des Flüssigkeitsstromes in unserem Körper, wird so auch permanent der Beckenboden trainiert.
Bei vielen Menschen steht das Zwerchfell dauerhaft zu weit oben, die Atmung ist flach und ungenügend. (Auf dieses wichtige Thema werde ich in einem anderen Artikel noch eingehen.)
Und noch einen Faktor möchte ich nicht unbeachtet lassen und das ist vielleicht sogar der wichtigste – unser täglicher Stress! Der stille Killer unserer modernen Gesellschaft.
Stress ist mitverantwortlich für die Entstehung der meisten Zivilisationskrankheiten. Und in Bezug auf unseren Beckenboden muss man sagen, dass dauerhafte Anspannungen in unserem Nervensystem in erheblichem Maße zu Muskelverspannungen führen. Jeder kennt das von Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen. So kann sich dieser übermäßige Muskeltonus auch in einem verspannten Beckenboden äußern. Wenn ich jetzt versuche, noch mehr Spannung zu erzeugen, werden die Muskeln nicht mehr adäquat reagieren. So können sich Phänomene zeigen, wo eine Seite stark verspannt ist und die andere Seite eher wenig angesteuert werden kann.
Versuch mal einen aufgeblasenen Luftballon zu verschließen, wenn Du nur von einer Seite das Ende zudrückst….
Du siehst, wenn man nicht ganzheitlich auf den Körper und die Beschwerden schaut, wird es schwierig die eigentlichen Probleme in den Griff zu bekommen.
Was kann man nun tun?
Eins ist klar, Beckenbodenübungen sind wichtig, aber nicht das einzige Thema, auf welches man schauen muss.
Ein Therapeut, der ganzheitlich den Menschen in all seinen Facetten erfasst, was ein Grundprinzip in der Osteopathie und auch in der Naturheilkunde ist, wird immer erst einmal alle Anteile untersuchen und mit der höchsten Priorität in seiner Behandlung beginnen.
Ich möchte dir hier jedoch als erstes ans Herz legen, Dich mit Deiner Kleidung zu beschäftigen. Vor allem am Bauch sollte kein übermäßiger und schon gar nicht dauerhafter Druck entstehen.
Achte beim Sitzen, Stehen und Gehen auf eine aufrechte Haltung! Stärke also auch Deine Rückenmuskulatur. Atme tief und vollständig in alle Richtungen Deines Brustkorbes und in den Bauch. (Dazu werde ich noch weitere Artikel verfassen)
Vermeide langes Sitzen, stehe zwischendurch immer wieder auf und baue ein paar Lockerungsübungen in Deinen Alltag ein.
Sorge für eine gute Balance zwischen An- und Entspannung. Dazu werde ich noch Videos produzieren, die Dich dabei unterstützen sollen.
Achte auf eine wirklich gesunde Ernährung, die abwechslungsreich mit vielen Ballaststoffen angereichert und möglichst bunt ist, damit sich eine gute Verdauung einstellen kann. Nahrungsergänzungsmittel können manchmal hilfreich sein, sind aber kein Essen und unkontrolliert eingenommen, u. U. gesundheitsschädlich!
Lass Dich von einer/m gut geschulten osteopathisch arbeitenden Therapeuten/in beraten und behandeln.
Eins ist ganz entscheidend, Du musst dran bleiben! Einmal üben, einmal behandeln und dann alles wie bisher, wird nicht den Erfolg bringen.
Im nächsten Artikel gehe ich gezielt auf die Füße ein.
Bleib schön neugierig 🙂
